Die Maschinenpistole 18,I – kurz MP 18,I – markiert den Beginn der modernen Maschinenpistole. Entstanden 1917/18 bei Theodor Bergmann in Suhl unter maßgeblicher Konstruktion von Hugo Schmeisser, beantwortete sie ein taktisches Problem, das sich in den Grabenkriegen des Ersten Weltkriegs deutlich zeigte: Auf den letzten zweihundert Metern des Angriffs zählte nicht die Fernwirkung, sondern beherrschbare, dichte Feuerleistung auf kürzeste Distanz. Frühere Versuche, Ordonnanzpistolen wie die Pistole 08 oder C96 mit automatischem Feuer auszurüsten, scheiterten an Erwärmung, Teilebelastung und mangelnder Zuverlässigkeit. Die MP 18,I setzte dem erstmals ein eigenständiges, robustes Konzept entgegen und prägte damit den Gattungstyp.
Konstruktiv handelt es sich um einen unverriegelten Rückstoßlader mit offenem Verschluss. Der schwere, zylindrische Verschluss läuft in der massiven Systemhülse, die Abzugsgruppe wirkt über eine einfache Klinke; gesichert wird nicht über einen Hebel, sondern über eine ausgeprägte Sicherungsnut, in die der vollständig zurückgezogene Verschluss eingehängt wird. Dieses „offene Sichern“ verhindert ungewolltes Vorlaufen und begünstigt die Laufkühlung nach längeren Feuerstößen – eine Lösung, die viele spätere Maschinenpistolen übernahmen. Die Waffe schoss ausschließlich in Dauerfeuer, eine Feuerwahl war nicht vorgesehen; die praktische Kadenz lag in einem vergleichsweise gut beherrschbaren Bereich um etwa 400 Schuss pro Minute. Die Visierung folgte dem damaligen Infanteriestandard mit hoher, geschützter Kornplatte und einer umklappbaren V-Kimme für 100 und 200 m – ausreichend für das intendierte Nahkampfprofil.
Das Kaliber war von Beginn an 9 × 19 mm Parabellum (CIP: 9 mm Luger), was logistisch sinnvoll an bestehende Pistolenmunition anknüpfte. Prägend und zugleich problematisch war die Munitionszufuhr: Auf Forderung des Heeres übernahm die MP 18,I das bereits in Stückzahl vorhandene 32-schüssige Trommelmagazin TM 08 der Pistole 08. Dazu musste der seitliche Magazinschacht um eine Führungs- und Anschlaghülse ergänzt werden, damit die Trommel korrekt saß und nicht zu tief eingesteckt wurde. Das TM 08 verlangte ein spezielles Ladewerkzeug, war voluminös und empfindlich; in der rauen Frontpraxis erwies es sich als funktionsfähig, aber störanfällig. Dass man es dennoch einsetzte, war eine Kriegsökonomie-Entscheidung: Die Trommeln waren verfügbar, alternative leistungsfähige Stangenmagazine standen erst nach 1918 in genügender Qualität bereit. In der Zwischenkriegszeit setzte sich deshalb konsequent das zweireihige Stangenmagazin durch, zunächst bei den SIG-Bergmann-Umbauten, später bei Schmeissers verbesserter MP 28,II.
In der Truppe wurde die MP 18,I gezielt den Sturmtruppen zugeteilt. Taktisch dominierte das Vorgehen in kleinen Stoßtrupps: Annäherung mit Handgranaten, Durchbruch in Grabenstücke oder Räume und kurze, kontrollierte Feuerstöße auf wenige Dutzend Meter. Aufgrund der aufwendigen Trommelladung richtete man entweder Teams mit Munitionsträgern für vorgefüllte Magazine ein oder verteilte einzelne MP 18,I auf Gruppenführer und ausgewählte Schützen, um die Nahkampffähigkeit der Züge breit zu erhöhen. Obwohl das Heer bis Kriegsende rund 50 000 Stück bestellt hatte, blieb die reale Frontpräsenz gering; konservative Schätzungen sprechen von einigen Tausend tatsächlich eingesetzten Waffen. Der Eindruck in Ausbildung und Gefecht reichte dennoch, um die Maschinenpistole als Gattung zu etablieren: Ihre Stärken im verschachtelten Gelände, in Gräben und Ortschaften waren offenkundig, ihre Bedienung – trotz Trommelmagazin – für geübte Trupps praktikabel.
Die Fertigung selbst zeigt die Übergangszeit zwischen Manufaktur und Industrie: gefräste Baugruppen, gelochter Laufmantel als Hitzeschild, hinten eine Bajonettkappe zur Demontage der langen, schlanken Schließfederführung. Beim Zerlegen klappt die komplette Verschlusseinheit an einem Scharnier nach vorn auf – ungewöhnlich servicefreundlich für eine Erstlingskonstruktion. Charakteristisch sind außerdem reichhaltige Seriennummernprägungen bis in die Beschlagteile und die seitliche Magazinaufnahme links, die das Halten der Waffe vorgab: Fotografisch belegt ist sowohl der vordere Griff an den Längsrillen des Laufmantels als auch der „verdeckte“ Klammergriff am Magazin samt Auflage des Ellenbogens im Kniendanschlag. Der zweiteilige Verschluss mit separatem Schlagstift ist technisch kein Muss, spiegelt aber Schmeissers konservative Konstruktion in der Frühphase der Maschinenpistole.
Nach dem Waffenstillstand untersagte der Versailler Rahmen dem deutschen Militär Maschinenpistolen; der Großteil der verbliebenen MP 18,I ging an Polizeibehörden. Dort entstanden die prägenden Umbaukits mit Stangenmagazinschacht, zum Teil in Zusammenarbeit mit SIG in Neuhausen; operativ bewährten sich die schlankeren Magazine sofort. Parallel entwickelte Schmeisser die Konstruktion zur MP 28,II fort: Feuerwahl für Einzelfeuer und Dauerfeuer, verbesserte Federführung und konsequenter Stangenmagazinbetrieb. Der Einflusskreis der MP-Familie reichte weit über Deutschland hinaus – von SIG-Bergmann-Exporten über die britische Lanchester (direkte Ableitung von der MP 28) bis hin zu Konstruktionslinien, die in STEN-Mustern und anderen Seitenmagazin-SMG fortlebten.
Für den heutigen deutschen Kontext ist die Rechtslage eindeutig: Originale MP 18,I sind vollautomatische Schusswaffen und damit verbotene Waffen im Sinne der Anlage 2 zum Waffengesetz; Erwerb und Besitz durch Privatpersonen scheiden aus. Realistische Zugangswege für Sammler bestehen in ordnungsgemäß deaktivierten Exemplaren nach EU-Deaktivierungsstandard oder – mit Abstrichen an der historischen Authentizität – in zivilen, reinen Selbstlader-Nachbauten ohne Dauerfeuerfunktion. Das Kaliber 9 × 19 mm ist CIP-genormt und verbreitet, spielt aber für Originalvollautomaten keine praktische Rolle. Sportlich ist die MP 18,I in Deutschland damit nicht relevant; jagdlich ohnehin ohne Bedeutung.
Sammelwürdig bleibt die MP 18,I in höchstem Maße. Besonders begehrt sind frühe, kriegsabgenommene Stücke in originaler Trommelmagazin-Konfiguration mit vollständiger Peripherie – also TM 08 mit Ladegerät und Führungsärmel –, ebenso polizeiliche Zwischenkriegsumbauten mit dokumentierter Provenienz. Weil die ursprüngliche Frontverwendung kurz war und die Nachkriegsumbauten zahlreich, sind unberührte Exemplare selten; entsprechend hoch sind die Marktwerte für museal erhaltene Komplettsätze. Aus technikgeschichtlicher Sicht repräsentiert die MP 18,I die Schlüsselformel der Maschinenpistole: überschaubare Mechanik, beherrschbare Kadenz und konsequente Optimierung auf den Nahkampf – eine Blaupause, die das 20. Jahrhundert nachhaltig prägte.

Von Markscheider – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42857793

Deutscher Sturmtruppensoldat mit MP 18.1 und Parabellum P08, Nordfrankreich, Frühjahr 1918. Gemeinfrei (Public Domain).
Munition und Magazine
- Kaliber: 9 × 19 mm Parabellum (CIP-Kaliber „9 mm Luger“).
- Primärmagazin 1918: Trommelmagazin 08 (TM 08) für 32 Patronen, ursprünglich für die Lange Pistole 08. Es verlangte ein separates Ladewerkzeug, war sperrig und galt als störanfällig – gleichwohl war es verfügbar und in Stückzahl vorhanden, weshalb das Heer seine Verwendung forderte. Nach 1920 setzten sich 20- bis 32-schüssige Stangenmagazine durch (SIG-Bergmann, später Schmeisser-Magazin).
Technische Daten (MP-18,I – typische Kenngrößen)
- Kaliber: 9 × 19 mm (CIP: 9 mm Luger; P_max 2.350 bar)
- Funktionsprinzip: unverriegelter Rückstoß, offener Verschluss
- Feuerart: Dauerfeuer (ca. 350–500 Schuss/min, oft ~400)
- Magazin: TM 08 (32 Schuss), später Stangenmagazine
- Lauflänge: ~200 mm; Gesamtlänge: ~830 mm
- Masse: ~4,2 kg (ohne Magazin)
Quellen und Hinweis
- Royal Armouries, Objektbeschreibungen MP-18/1 (Sammlungsdaten, Funktionsprinzip, Einordnung). Royal Armouries
- Forgotten Weapons (Ian McCollum): „Schmeisser’s MP-18,I – The First True Submachine Gun“; „MP-28: Hugo Schmeisser Improves the MP18“ – technische Details, Zerlegung, Einsatzkontexte. forgottenweapons.com+1
- IWM (Imperial War Museums): MP 28/II – Ableitung und Weiterentwicklung. Imperial War Museums
- Rechtsgrundlagen: WaffG Anlage 2 (verbotene Waffen); BMI-Übersicht. Gesetze im Internet+1
- Kaliber/Normen: CIP-Datenblatt 9 mm Luger. bobp.cip-bobp.org
Die gezeigten/ausgewerteten Quellen stammen überwiegend aus UK/USA-Museen und -Fachplattformen; rechtliche Bewertung erfolgt für den deutschen Kontext.