John Brownings Klassiker für Militär, Polizei und Zivilmarkt
Einleitung
Die FN Modèle 1910 ist eine der bekanntesten Taschen- und Polizeipistolen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Entworfen wurde sie von John Moses Browning, produziert bei Fabrique Nationale d’Armes de Guerre (FN Herstal, Belgien). Mit ihr führte Browning ein neuartiges Konzept ein: eine kompakte, selbstrückstoßende Pistole mit Zentralfeder um den Lauf. Diese Bauweise machte die FN 1910 extrem kompakt, zuverlässig und leicht zu fertigen.

FN 1910 in 7,65mm Browning – Bild des Autors
Technische Daten
- Kaliber: 7,65 mm Browning (.32 ACP) oder 9 mm kurz (.380 ACP)
- System: Rückstoßlader mit feststehendem Lauf, Verschlussfeder um den Lauf
- Magazin: 7 Patronen (7,65 mm) bzw. 6 Patronen (9 mm kurz)
- Abzug: Single Action, innenliegender Hahn
- Sicherungen:
• Griffstücksicherung (ähnlich Colt 1911, aber stärker vereinfacht)
• Sicherungshebel (manuelle Sicherung)
• Magazinsicherung (Schussabgabe nur mit eingesetztem Magazin möglich) - Visierung: einfache feste Kimme/Korn
- Größe: sehr kompakt, ideal für verdecktes Tragen
Historische Einordnung
- 1910: Einführung durch FN, Ersatz für die FN 1900 und FN 1903.
- 1910–1980er: Lange Produktionszeit mit mehreren Untervarianten.
- 1912: Berüchtigt durch den Attentat von Sarajevo: Gavrilo Princip erschoss mit einer FN 1910 im Kaliber 9 mm kurz den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand – Auslöser des Ersten Weltkriegs.
- Zwischenkriegszeit: Verbreitet bei Polizei und Militär in Europa, Südamerika und Asien.
- Zweiter Weltkrieg: Wurde weiterhin produziert und von Zivilisten, Polizisten und militärischen Kräften geführt. Teilweise auch von deutschen Truppen als Beutewaffe genutzt.
- Nachkrieg: Noch bis in die 1960er Jahre als typische Polizeipistole in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und anderen Staaten verbreitet.
Bewertung
Die FN 1910 gilt als eine der einflussreichsten Taschenpistolen ihrer Zeit:
- Die um den Lauf liegende Rückholfeder wurde später in zahlreichen Konstruktionen übernommen (u. a. Walther PP/PPK, Makarov PM).
- Durch Sicherheitskombination (Griffsicherung + Magazinsicherung) galt sie als besonders handhabungssicher.
- Die kompakte Größe machte sie für verdecktes Tragen attraktiv.
Rechtliche Einordnung (Deutschland)
- Kaliber: 7,65 mm Browning und 9 mm kurz sind frei erwerbbar auf WBK, sportlich zugelassen.
- Jagd: Für Fangschuss ungeeignet (Mündungsenergie meist < 200 J).
- Sammler: Besonders frühe Exemplare mit dokumentierter Geschichte (z. B. Sarajevo-Exemplare, Militär- oder Polizeistempel) sind hochsammlerwürdig.
Sammlerperspektive
Die FN 1910 bietet ein breites Sammelfeld:
| Variante | Zeitraum | Merkmale | Sammlerwert |
|---|---|---|---|
| Frühe Produktion | ab 1910 | Meist in 7,65 mm Browning; feine Brünierung; Holz- oder frühe Bakelitgriffe | Hoch, besonders Vorkriegsfertigung |
| „Sarajevo-Pistolen“ | 1910–1912 | Kaliber 9 mm kurz, frühe Seriennummern; identisch zum Attentatsmodell | Extrem hoch, museale Bedeutung |
| Zwischenkriegsfertigung | 1920er–1930er | Weiterhin 7,65 mm und 9 mm kurz; teils Polizeistempel, Exportvarianten (Lateinamerika, Asien) | Beliebt bei Systematikern |
| Besatzungsfertigung | 1940–1944 | FN unter deutscher Kontrolle; Abnahmestempel WaA140 | Gesucht, Vorsicht vor Fälschungen |
| Nachkriegsfertigung | 1945–1960er | Vereinfachte Fertigung, Kunststoffgriffschalen; Polizei in Belgien, Niederlanden | Günstiger, aber historisch interessant |
Fälschungsrisiko: Besonders bei angeblich belegten „Sarajevo-Pistolen“ und bei deutschen Besatzungsstempeln (WaA140) – Echtheit prüfen!
Fazit
Die FN 1910 ist ein Schlüsselmodell der Selbstladepistolentechnik. Sie prägte nicht nur die Geschichte durch ihre Rolle beim Attentat von Sarajevo, sondern auch die Technik nachfolgender Pistolen. Für Sammler ist sie durch die lange Produktionszeit und die Vielfalt an Kalibern, Markierungen und historischen Kontexten ein spannendes Gebiet – von den frühen Vorkriegsstücken über Besatzungswaffen bis zu den späten Polizeimodellen der 1950er Jahre.